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Ritchey-Chrétien-Teleskop (RC-Teleskop)

Dieses innovative Teleskop, kurz RC-Teleskop genannt, ist eine Gemeinschaftsentwicklung des US-amerikanischen Astronomen George Willis Ritchey und des französischen Astronomen Henri Chrétien. Vorläufer des RC-Teleskops war das Cassegrain-Teleskop, welches im 17. Jahrhundert von dem französischen Priester Laurent Cassegrain erfunden wurde.




Ritchey-Chrétien-Teleskop – Was ist ein RC-Teleskop und was ist bei der Auswahl zu beachten?

Die Wissenschaftler Ritchey und Chrétien hatten sich zum Ziel gesetzt, den typischen Komafehler (Isoplanasiefehler) des Cassegrain-Teleskops zu beheben. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit war das Ritchey-Chrétien-Cassegrain-Teleskop, ein neuartiges Spiegelteleskop, bei dem im Unterschied zum Cassegrain-Teleskop (parabolischer Hauptspiegel, hyperbolischer Fangspiegel), sowohl Hauptspiegel als auch Fangspiegel hyperbolisch geformt sind. Damit werden Koma- und Öffnungsfehler vermieden. Die Konstruktion erlaubt eine komafreie Abbildung ohne den Einsatz von Korrektoren wie Schmidt-Platte oder Meniskuslinse. Bis vor wenigen Jahren gehörten RC-Teleskope zu den teuersten Teleskopen überhaupt und waren für Amateurastronomen kaum bezahlbar. Wegen des hohen Fertigungs – und Prüfaufwandes für hyperbolische Spiegel wurde das Ritchey-Chrétien-System hauptsächlich in Großteleskopen von Profisternwarten verwendet. Bekannte RC-Teleskope sind zum Beispiel das Keck-Observatorium auf dem Vulkan Mauna-Kea auf Hawaii (mit 10-m Spiegeldurchmesser), das Paranal-Observatorium in der Atacamawüste in Chile (mit 8,2-m Spiegeldurchmesser) oder das 1990 mit der Weltraumfähre Discovery in eine 590 km hohe Erdumlaufbahn gebrachte Hubble-Weltraumteleskop (mit 2,2 m Spiegeldurchmesser).

Seit einigen Jahren sind preisgünstigere Ritchey-Chrétien-Teleskope mit kleinen Öffnungen (Objektivdurchmesser) von 6″ f/9, 8″ f/8 und 10″ f/8 erhältlich. Bis zu Öffnungsgrößen von 10″ sind RC-Teleskope auch noch gut transportabel. Die Preisspanne dieser Geräte bewegt sich zwischen 1.000 bis 3.500 Euro, was sie auch für Hobbyastronomen erschwinglich macht. Das Ausrichten (Justage) der beiden Spiegel erfordert aber große Erfahrung, was die Fähigkeiten von Einsteigern im Regelfall übersteigt. Daher empfiehlt sich dieser Teleskoptyp eher für Fortgeschrittene oder Sternwarten. Ritchey-Chrétien-Teleskope eignen sich ideal für die Astrobeobachtung und werden überwiegend von Astrofotografen verwendet. Der optische Aufbau der Geräte ermöglicht eine kleinere Blendenzahl, was die Lichtempfindlichkeit erhöht. Ein besonders hervorzuhebender Vorteil von RC-Systemen ist die korrigierte Abbildung ohne Linsen, wodurch eine chromatische Aberration vermieden wird. Das korrigierte Gesichtsfeld ermöglicht außerdem den Einsatz großer Kamera-Sensoren bzw. großer Okulare. Für die Beobachtung von Mond, Planeten und deren Monde, Sternbildern, Nebeln und Galaxien bis hin zur Astrofotografie ist ein Ritchey-Chrétien-Teleskop für alle Amateurastronomen und auch für Profis bestens geeignet.

Vor- und Nachteile des Ritchey-Chrétien-Teleskop auf einen Blick

Vorteile

  • Extrem scharfe Abbildungen
  • Großes Bildfeld ohne Korrektoren
  • Hohe Reflexion
  • Offenes Design, daher schnelle Auskühlzeit

Nachteile

Mit dem RC lassen sich Bildfelder bis ca. 1° bei großen Brennweiten noch gut abbilden. Ab da treten auch bei diesem System dann typische Abbildungsfehler (Astigmatismus) auf, die mit Korrekturlinsen beseitigt werden müssen. Auch Bildfeldwölbungen werden durch das RC-System nicht korrigiert. Die hierdurch bedingten Abbildungsfehler haben aber für die von Astrofotografen im Amateurbereich benutzten Gerätegrößen erfahrungsgemäß kaum praktische Relevanz.

Was ist beim Kauf eines Ritchey-Chrétien-Teleskop zu beachten?

Zur Entscheidungshilfe können zunächst einmal Testberichte auf einer der zahlreichen Astronomie-Foren herangezogen werden. Am wichtigsten beim Kauf eines Telekops – und das gilt für alle Teleskoptypen – sind Optik und Montierung. Innerhalb der gleichen Preisklasse sollte grundsätzlich immer das Teleskop mit der größeren Öffnung gewählt werden. Denn je größer der Objektivdurchmesser, desto besser sind auch die Lichtsammeleigenschaften. Auch lichtschwächere Objekte (z. B. Spiralarme von Galaxien) lassen sich so gut beobachten. Größere Öffnungen verbessern außerdem das Auflösungsvermögen und ermöglichen auch eine höhere Vergrößerung. Die Abbildungen werden detailreicher, was besonders bei der Beobachtung von Mond und Planeten entscheidend sein kann. Im Amateurbereich sind aber Teleskope mit 200 mm (8″) Durchmesser in der Regel ausreichend und auch erschwinglich. Beim Kauf ist unbedingt auch auf eine stabile Montierung zu achten. Durch die hohen Vergrößerungen verstärken sich auch kleine Erschütterung um ein Vielfaches. Die azimutale Montierung (zwei Achsen) ist im Gegensatz zur parallaktischen (eine Achse) von Einsteigern eindeutig zu favorisieren, da sich das Nachführen (Suchen) über eine horizontale und eine vertikale Achse wesentlich einfacher gestaltet.

Fazit

Die nutzbare Bildfeldgröße ist eine der wichtigsten Eigenschaften zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit eines Teleskops. Im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger, dem Cassegrain-Teleskop, erweist sich das Ritchey-Chrétien-Teleskop hier als erheblich leistungsfähiger. Beim Cassegrain-Teleskop wird der nutzbare Bildfelddurchmesser (Bildfeldgröße) durch den Komafehler begrenzt, beim RC-Teleskop nur durch den Astigmatismus. Das RC-Teleskop hat beispielsweise bei einem angenommenen, maximalen Bildfehler von 1″ ein etwa 3,3-fach größeres nutzbares Gesichtsfeld als das Cassegrain. Selbst bei einem angenommen Bildfehler von 2″ ist das nutzbare Gesichtsfeld beim RC immer noch 2,3-mal so groß wie beim Cassegrain-Teleskop. Für Zwecke der Astrobeobachtung und -fotografie ist das Ritchey-Chrétien-Teleskop anderen Teleskoptypen eindeutig vorzuziehen.