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Der Stern Antares

Antares ist der sechzehnthellste Stern am nächtlichen Himmel und der hellste im Sternbild Skorpion. In der Literatur findet man ihn auch unter den Namen Alpha Scorpii und Cor Scorpii. Die Bezeichnung Cor Scorpii ist eine latinisierte Form von Herz des Skorpions. Der Stern befindet sich in der südlichen Hälfte des Erdhimmels. In seinem Sternbild wird Antares von Sigma Scorpii und Tau Scorpii in der Nähe der Mitte des Sternbildes flankiert. Antares ist 550 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt. Weil seine Leuchtkraft die der Sonne um mehr als das 10.000-fache übertrifft, ist er trotzdem gut zu sehen.

Astronomische Klassifizierungen

M1.5 Iab-b lautet seine Klassifizierung. Sterne werden zunächst anhand ihrer absoluten Helligkeit und ihrer Spektralklasse unterschieden und eingeteilt. Die Einordnung wird in einem Hertzsprung-Russell-Diagramm veranschaulicht. Antares findet sich darin rechts oben in unmittelbarer Nähe zum Stern Beteigeuze. Doch was hat es mit diesem M1.5 Iab-b auf sich?

Aufgrund seiner geringen Temperatur an der Oberfläche gehört Antares zur Klasse M. Etwa Dreiviertel dieser Sternklasse sind Rote Zwerge, die eine geringe Helligkeit aufweisen und mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Die größten in der Milchstraße entdeckten Objekte, sind mehrheitlich Angehörige der Klasse M. Das sind die Roten Riesen und im Fall von Antares sogar ein Roter Überriese.

Nach dem M wird seine Magnitude mit 1.5 angegeben, die scheinbare Größe des Sterns auf einer logarithmischen Skala. Scheinbar, weil es nichts über dessen tatsächliche Größe aussagt, sondern nur, wie groß er dem Beobachter auf der Erde erscheint. Je größer die Magnitude eines Sterns ist, desto schwächer leuchtet er. Bei Magnitude 6 ist er unter idealen Verhältnissen gerade noch für das menschliche Auge ohne Hilfsmittel sichtbar. 1.5 ist heller als die Mehrzahl der anderen Lichtquellen.

Kommen wir zur Leuchtkraftklasse Iab. Die römische Eins (I) zeigt an, dass es sich um einen Überriesen handelt. Das folgende „ab“ steht für mittlere bis geringe und das „b“ für geringe Leuchtkraft. Die Leuchtkraft von Antares liegt demzufolge dazwischen.

In einer anderen Einordnung, dem russischen General Catalogue of Variable Stars (GCVS), findet sich Antares unter SRc. SR steht für “semiregular variable star” und das „c“ steht für die Klasse der späten Überriesen. Antares ist ein SRc, weil ein halbregelmäßig veränderlicher Stern der Variante C. Die Perioden des Roten Überriesen liegen bei 300 und 700 Tagen.

Physikalische Eigenschaften

Kühl, groß und hell ist er. Antares Temperatur beträgt an der Oberfläche 3.660 Kelvin. Von dort strahlt für das Auge sichtbares orange-rotes Licht ab. Viel größer ist die Menge der für Menschen unsichtbare Infrarot-Strahlung. Insgesamt gibt Antares 65.000 mal mehr Strahlung ab, als es die Sonne tut.

Der exakte Durchmesser ist nicht bekannt, sie liegt vermutlich bei einer Milliarde Kilometer. Um Antares gigantische Ausmaße zu verstehen, bietet sich ein Vergleich mit unserem Sonnensystem an. Würde Antares die Sonne in unserem Sonnensystem ersetzen, reichte sein Umfang über die Umlaufbahn des vierten Planeten Mars hinaus und könnte wegen seiner ausgedehnten Atmosphäre bis zur Umlaufbahn des Jupiters reichen. Damit ist Antares 796 mal so groß, wie die Sonne. Mit diesem Radius ist er zwar ein riesiger Stern, doch mit knapp 15 Sonnenmassen hat er nur ein Millionstel ihrer Dichte. Aufgrund seiner großen Oberfläche scheint er viel heller als die Sonne.

Zusammen mit Alpha Scorpii B, einem mit bloßem Auge nicht zu erkennenden Begleiter, bildet er ein Doppelsternsystem. Den kleine Begleiter entdeckte ein österreichischer Astronom am 13. April 1819, als der Mond Antares verdeckte.

Antares ist mehr als 11 Millionen Jahre alt. Er befindet sich in einem späten Stadium seiner Entwicklung und kann, mangels Treibstoff, jederzeit kollabieren und eine gewaltige Supernova auslösen. Dieses Ereignis würde auf der Erde spektakuläre Bilder liefern. Nachts könnte das Ereignis über mehrere Wochen hinweg Schatten werfen, bevor Antares zu einem Neutronenstern oder Schwarzen Loch wird.

Antares Position

Wir in der nördlichen Hemisphäre kennen Antares besser als andere, viel heller scheinende südliche Sterne. Das liegt daran, dass Antares von überall in der nördlichen Hemisphäre, bis kurz vor der Arktis, sichtbar ist.

Um den ersten Juni herum erreicht Antares seinen höchsten Stand am Firmament. Um ihn zu sehen, kann der Suchende vom späten Frühjahr bis zum frühen Herbst auf den südlichen Himmel blicken. Dort findet er das ähnlich einem Angelhaken geformte Gebilde des Sternbildes Skorpion, mit dem rubinroten Antares im Herzen. Mit einem darauf gerichteten Fernglas, ist der Sternhaufen M4 gleich rechts daneben zu sehen.

Für alle die es genauer wissen möchten, sei hier die Position Antares zur Tagundnachtgleiche genannt. Die Rektaszension ist 16h 29m 24,461s und die Deklination −26° 25′ 55,21″. Erstere ist ein Analogon zur geografischen Länge und letztere zur geographischen Breite eines Ortes auf der Erde.

Antares umläuft das Zentrum der Milchstraße in einem Abstand von 20.400 bis 23.900 Lichtjahren. Auf dieser galaktischen Umlaufbahn bewegt er sich in Relation zur Sonne mit 20,7 Kilometern pro Sekunde.

Historische Namensgebung

Das Wort „Antares“ bedeutet Anti-Ares, Anti-Mars oder Gegenmars. Wahrscheinlich, weil die Astronomen in der Antike meinten, der rötliche Stern sehe dem roten Planeten ähnlich. Auch heute verwechsel Beobachter Antares ab und zu mit dem Planeten Mars, weil er ihm zeitweise in Farbe und Helligkeit ähnelt. Zudem befinden sich beide in der Nähe der Ekliptik, auf der scheinbaren Bahn der Sonne vor den dahinter liegenden Sternen.

Zahlreiche andere Kulturen gaben dem auffälligen Stern einen Namen. Die Araber übertrugen seine altgriechische Bezeichnung ins Arabische und nannten ihn Qalb al-’Aqrab. Bei den Persern hieß er Satevis und die Chinesen nannten ihn Feuerstern.